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Riesengebirge in der böhmischen Landschaftsmalerei

Miloslav Barto¹

Das Riesengebirge, Böhmens höchstes Gebirge, nimmt in mehrfacher Hinsicht eine besondere Stellung unter den europäischen Gebirgsmassiven ein. Es kennzeichnet sich nicht nur durch die Schönheit der Landschaft und den Reichtum an Naturerscheinungen; hier kommen auch einmalige natürliche chemische Verbindungen vor. Seit dem letzten Viertel des 18. Jahrhunderts wuchs ein allgemeines Interesse fürs Gebirge an, im Zusammenhang mit der Entwicklung der bürgerlichen Gesellschaft und der Verbreitung der aufklärerischen Ideen. Um die einmalige Landschaft des Riesengebirges kennenzulernen, wanderten Pilgerscharen aus Schlesien und Böhmen wie auch Gelehrte, Maler und Vedutenzeichner hierher, die die Berggipfel in einer topographischen Verkürzung aus manchmal weit entlegenen Stätten darstellten. Die Königliche Böhmische Wissenschaftliche Gesellschaft hatte 1786, also kurz nach ihrer Entstehung, eine naturkundliche Expedition ins Riesengebirge geschickt. Der Botaniker T. Hanke, der Mineraloge J. Jira¹ek wie auch die Geographen T. Gruber und F.J. Gerstner hatten ihre Beobachtungen in dem für die Forschungsansätze wichtigen Werk Beobachtungen auf Reisen nach dem Riesengebirge (herausgegeben 1791 in Dresden) veröffentlicht. 1804 erschien in Wien die hervorragende Monographie des Riesengebirges von Dr. J.K.E. Hoser, in der die Lebensart und die Kultur der Riesengebirgsbewohner vom Verfasser genau dargestellt werden.

Dem Rationalismus der Aufklärung entstammt ebenfalls eine neue Art, Natur und Landschaft wahrzunehmen und zu verstehen. Man war bemüht, Naturerscheinungen wissenschaftlich zu erfassen, man wollte das Leben einfacher Menschen kennenlernen und verbessern. Eben um die Wende des 18. zum 19. Jahrhundert, bei Ausklang des Klassizismus und zu Anfang der Romantik, kommen die höchsten böhmischen Berge in der böhmischen Kunst zum Vorschein. Sichtbar sind hier noch die Einflüsse der vorangehenden Zeitperiode, in der das Riesengebirge vor allem als ein Gebiet sonst nicht anzutreffender Naturwunder und -eigentümlichkeiten galt. Einer der ersten böhmischen Landschaftsmaler war Antonín Karel Balzer (1771-1807), der jüngere Sohn des Gründers der berühmten Prager Stecherwerkstatt, des Graphikers, Verlegers aber auch bekannten Porträt- und Landschaftsmalers Jan Jiøí Balzer. Unter Aufsicht seines Vaters hat Antonín Karel die Geheimnisse des Stecherhandwerks und alle damals verwendeten Techniken (Kupferstich, Radierung, Aquatinta) kennengelernt. Später hat er sein Können als Zeichner und Graphiker bei den damals besten Meistern an den Kunstakademien in Wien und Dresden vervollkommnet.

Antonín Karel Balzer hat vom Beginn seiner künstlerischen Laufbahn der Natur und der Landschaft die meiste Aufmerksamkeit geschenkt. Er suchte nach Landschaftsmotiven in ganz Böhmen, auf Suche nach ihnen fuhr er auch in die Alpenländer, doch seine höchste Begeisterung galt der Riesengebirgslandschaft. In den Jahren 1792-1794 kam er regelmäßig ins Riesengebirge. Mit einer Skizzenmappe in der Hand wanderte er durch Hohenelbe, bestieg schwer zugängliche Gipfel, durchmaß das böhmische und schlesische Vorgebirge. Die Wanderungen des Malers ergaben einen Zyklus von acht kleinen Skizzen zu Radierungen, die 1794 in Wien veröffentlicht wurden. Im selben Jahr, wenn auch etwas später, wurde der Zyklus von 24 Ansichten des Riesengebirges und der Adersbacher Felsen als Buch im Format 32,5 x 42 cm in Prag herausgegeben; sie waren in der Technik der kolorierten Radierung und der Aquatinta ausgeführt. Dabei überwiegen deutlich die Riesengebirgsansichten (18 Motive). Balzers Riesengebirgszyklus, der 1812 erneut verlegt worden war, wurde sowohl von seinen Empfängerkreisen, als auch von der Kunstkritik und Presse sehr gut aufgenommen. Balzer hatte da die bekanntesten und attraktivsten Stätten im Riesengebirge direkt dargestellt (Il. 5, 15): Schneekoppe, Wasserfälle, Schneegruben, Ziegenrücken, Kleine Strohhauben u.a., und zwar mit einem frisch wirkenden, empfindlichen und poetischen Blick. Er verlieh der Riesengebirgsnatur die Zartheit und betonte zugleich ihre romantische Pracht. Sein Riesengebirge ist gar schöner als das wirkliche, doch handelt es sich um dieselben Berge, die ihre charakteristischen Kamm- und Gipfellinien, eine imposante Größe ihrer natürlichen Form und die Einmaligkeit der Naturerscheinungen aufweisen. A.K. Balzer wird für den Vorläufer der böhmischen Landschaftsmalerei schlechthin angesehen.

Balzers Zeitgenosse Karel Postl (1769-1818), Professor der Landschaftsmalereischule an der Prager Kunstakademie, hatte sich von der Idealisierung der Landschaft abgewendet, was sein Aquarell "Panorama des Riesengebirges von Schlesien" bezeugt (Il. 6).

In diesem Zusammenhang muss noch der unlängst entdeckte Zeichner, Maler und Graphiker Antonín Jan Venuto (1746-1825?) erwähnt werden, Autor von Stadt- und Dorfveduten aus dem Vorland des Riesengebirges, dessen Motive zumeist denen des A.K. Balzer entsprachen. Alle diese Künstler schufen in der Anfangsphase der über einhundert Jahre dauernden Romantik in der Landschaftsmalerei, für die das Riesengebirge eine Quelle von Themen und Motiven war, die den alpinen ähnlich erscheinen.

Ins Riesengebirge kam auch Antonín Mánes (1784-1843), Gründer einer Malerfamilie, dessen Kinder: Amalia, Josef und Quido in die Fußstapfen ihres Vaters traten. Antonín Mánes, Schüler des oben erwähnten Karel Postl, hatte zu dem Gebirge eine emotionale Einstellung. Während seiner Gebirgsaufenthalte lebte Antonín mit seinen Kindern in Hohenelbe, bei dem Apotheker Vojtìch Kablík und seiner Frau Josefine, die als erste Pflanzenforscherin in der österreischisch-ungarischen Monarchie und Entdeckerin neuer Gattungen der Riesengebirgspflanzen berühmt wurde. Antonín Mánes gab der Gräfin Morzina, Tochter des Besitzers des Hohenelber Dominiums, Zeichenunterricht (wahrscheinlich in den Jahren 1831-1832). Dass er sich über längere Zeit in Hohenelbe aufhielt, bezeugen fast zwanzig seine Arbeiten (Il. 7); unter ihnen ist eine Stadtansicht von Süden, die in zwei Fassungen als Aquarellskizze erhalten ist. Der Künstler verweilte auch in den Ortschaften des Riesengebirgsvorlands, die ihn durch die charakteristische Mühlenarchitektur begeisterten. Seine Gemälde, die mehrmals in Prag ausgestellt wurden, wurden ebenfalls von Gipfelwanderungen angeregt. 1833 hatte er seine Gebirgslandschaft in steigendem Nebel und drei Jahre später das heute verschollene Bild Die Bäume am Pfad bei der Elbequelle im Riesengebirge ausgestellt. In den meisten seiner Arbeiten lässt sich Mánes als ein empfänglicher Realist erkennen. Der romantischen Landschaftsauffassung steht seine Gebirgslandschaft mit Gämsen am nächsten. Mit Hilfe von Licht baut er das Rätselhafte und Geheimnisvolle des Gemäldes auf. Dem realistischen Bild des Dorfplatzes in Niederhof, auf dem die Kirche im Hintergrund und der Fluss im Vordergund zu sehen sind, kann entnommen werden, dass der Maler durch die feine Anmut des Motivs den Zuschauer begeistern und seine Empfidlichkeit ansprechen will.

Mitte der vierziger Jahre des 19. Jahrhunderts kommt auch Antonins Sohn, Josef Mánes (1820-1871) ins Riesengebirge; er studierte seit 1836 historische Malerei an der Prager Akademie, die damals von Franti¹ek Tkadlík geleitet wurde. Im Riesengebirge beschäftigte er sich mit dem Lichtwechsel über den Gipfeln und Tälern, insbesondere interessierte er sich für Sonnenaufgänge und den von der Morgendämmerung beleuchteten Himmel (Il. 8, 38). Er skizzierte auch die Laurentiuskapelle auf der Schneekoppe und die Gesteinformen der Schneegruben. Begeistert durch die Pracht der Natur im Gebirge, die ihm ein Gefühl uneingeschränkter Freiheit verlieh, malte er den Adlerhorst: ein Riesengebirgspanorama mit dem Raubvogelmotiv im Vordergrund. Nach dem Tod seines Vaters lebte und arbeitete Josef Mánes in München. Von hier aus machte der Maler seit 1846 Ausflüge nach Schlesien und in die Slowakei. Den Sommer 1847 verbrachte er erneut im Riesengebirge. Von den -zig Arbeiten, die J. Mánes auf seinen Gebirgswanderungen schuf, sind 18, meist realistische, Bilder erhalten, darin auch das gefühlsbeladene Ölgemälde Mondnacht im Gebirge. Etwas später entstand sein bekanntes Gemälde Die Bergschmiede unter der Schneekoppe, das die Spannung vor einem anziehenden Sommergewitter zum Ausdruck bringt. Im Sommer 1847 wurde Josef von seinem älteren Bruder Quido Mánes (1828-1880) begleitet. Sie hielten sich in der Petersbaude auf, die sie beide in einer Genreszene der Gästebegrüßung skizziert hatten. Eine andere Arbeit Quidos von dieser Reise ist ein Porträt seiner Tante, der bereits erwähnten Pflanzenforscherin Josefina Kablikowa mit einem Apotheken-Famulus an der alten Baude unweit der Schneegruben (Il. 9).

Josef Matìj Navrátil (1798-1865) war etwas jünger als der Gründer der Malerfamilie Mánes, Antonin. Er wuchs in der Familie eines Zimmermalers in Prag auf. Zusammen mit seinem älteren Bruder erlernte er das Fach seines Vaters, dann, in den Jahren 1819-1823, erweiterte er sein Können an der Prager Akademie, wo er sich neben der Wandmalerei, die er meisterhaft beherrschte, auch noch der Landschaftsmalerei widmete. Die aus der Landschaft geschöpften Motive, vornehmlich waren es Gebirgsmotive, verwendete er in seinen monumentalen Wandmalereien. Künstlerische Anregungen suchte er zunächst in den Alpen, 1850-1854 durchwanderte er das Riesengebirge auf seiner böhmischen und schlesischen Seite. Er hatte den größten Wasserfall im Riesengebirge (Mummelfall bei Harrachsdorf) gemalt (Il. 10), wie auch - auf der schlesischen Seite - das Bergtal mit Gebäuden von Erdmannsdorf, dem Ort also, der 1837 von den Religionsflüchtlingen aus Zillerthal in Tirol gegründet wurde. Beide Gemälde weisen eine idyllische Stimmung auf, allerdings verwandelt der Künstler den Hintergrund der Natur, indem er ihre Pracht steigert. Im ersteren Bild stellt er die Entzückung der im Vordergrund stehenden Wanderer dar, die über die Größe des Wasserfalls verwundert sind.

Ein Absolvent der Prager Akademie, Schüler von Max Haushofer, war Adolf Kosárek (1830-1959), der letzte von den großen böhmischen Romantikern, der gegen Ende seines kurzen, in Armut und Krankheit ausgelöschten Lebens den Charakter der böhmischen Landschaft in einer monumentalen Form zum Ausdruck brachte. Er schuf einige kühne, farbenreiche Gemälde, die von den Kammpartien des Riesengebirges inspiriert waren: einen Wasserfall (wahrscheinlich Pantschefall), das bereits von Zeitgenossen bewunderte Gebirgsmoor, Die Nebel im Riesengebirge und die heute veschollene Landschaft aus dem Riesengebirge, die erst nach dem Tod des Künstlers ausgestellt wurde.

Riesengebirgsthemen sind auch aufzufinden im reichhaltigen Schaffen des Landschaftsmalers Václav Kroupa (1825-1895), der ebenfalls ein Schüler von M. Haushofer und Ch. Ruben an der Prager Kunstakademie war. Er besuchte das Riesengebirge erst seit den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts und malte u.a. die Gebirgslandschaft (1876) und den Rundblick auf den Großen Teich unter der Schneekoppe (1891) (Il. 11).

In der Landschaftsmalerei der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war eine Abkehr von der idyllischen Romantik zu verzeichnen. Die Landschaft wurde nun studiert, die Natur und die Naturerscheinungen - sinnlich wahrgenommen und ausgedrückt. Das Resultat dieser neuen Einstellung war, dass Stimmungen, Farben und Formen der Landschaft abhängig von der Beleuchtung dargestellt wurden. So war das Ziel des Julius Eduard Maøák (1832-1899), der seit 1887 Professor an der Prager Akademie und zugleich Rektor der Landschaftsmalereischule war. Wenn auch die Riesengebirgsmotive hauptsächlich nur zu Anfang seiner künstlerischen Laufbahn zu finden sind, so sind aus seiner Werkstatt Maler hervorgegangen, in deren Schaffen das Riesengebirge eine fundamentale Bedeutung hatte. Maøák selbst ließ sich von der Riesengebirgslandschaft anregen, als er 1853-1855 zu seinem Vater hierherkam, der in einem Gutsbesitz des Freiherrn Silbersztejn, und zwar in Hermannseifen bei Arnau verweilte. Zweifelsohne war er von den Gebirgsströmen und von dem Elbfall begeistert, der noch in den achtziger Jahren ein Thema seiner Zeichnungen war.

Bewundernswerte Malereien mit Riesengebirgsmotiven schuf der fähigste Schüler Maøáks, Otakar Lebeda (1877-1901). Dieser gebürtige Prager war als fünfzehnjähriger in Maøáks Schule gekommen, 1894 zog er ins Haus der Familie ©tìpánek im Ort Paseky a.d. Iser. Hier malte er zwei Ansichten vom Riesengebirge: ein Gemälde mit dem Motiv eines Kohlackers im Vordergrund und ein anderes von Hochstadt a.d. Iser mit der kleinen Kirche. Diese Bilder fallen durch ihre künstlerische Reife auf, obwohl sie von einem Anfänger gemalt worden sind. Zwei Jahre später begann Lebeda, angeregt von den Arbeiten Adolf Kosáreks, "das Wesen der für Elemente offenen Berge" zu entdeken (Il. 12). Seine Darstellung der Riesengebirgsseen, des Großen und des Kleinen Teiches unter der Schneekoppe, spiegelt die Wandelbarkeit der strengen Bergnatur, ihr Wesen und ihre materielle Struktur wider. Die Teiche, gleichsam eingedrängt in mächtige Gletscherkessel, sind derart suggestiv aufgefasst worden, dass der Zuschauer in den dargestellten Raum hineingezogen wird. Möglicherweise ging die Ausdrucksstärke dieses Bildes mit dem psychischen Zustand des Malers einher. Bald darauf entschloss sich Lebeda, der an einer Geisteskrankheit litt, seinem Leben ein Ende zu setzen.

Ein weiterer Landschaftsmaler, der aus Maøáks Schule an der Akademie kam und hier wegen seiner Verbindungen zum Riesengebirge erwähnt werden soll, war Franti¹ek Kaván (1866-1941) aus Wichau (Víchovická Lhota). Sein künstlerischer Weg führte von realistischen Anfängen über den Symbolismus zu impressionistisch aufgefasster Landschaft. In seiner ersten, bedeutendsten Schaffensperiode, die bis zur Jahrhundertwende andauerte, schuf er Gemälde, die jeglicher Idealisierung entbehrten, trotzdem aber voll von Poesie waren. Zu dieser Zeit, in der er noch mit seiner Heimat sehr eng verbunden war, entstanden seine wertvollsten realistischen Arbeiten: Auf der Pantschewiese, Der Abend am Elbfall, Starkenbach von Chmelnice, Der Heidelberg u.v.a. Kaván malte auch mehrere Male den charakteristischen Berg des westlichen Riesengebirges, den Kesel. Dieses Motiv wurde dargestellt auf zwei kleineren Gemälden wie auch auf dem monumentalen Vorhang des Theaterliebhabervereins, der bis heute das Treppenhaus des Riesengebirgsmuseums in Starkenbach schmückt. Dieses Museum ist in Besitz der größten Gemäldesammlung dieses Künstlers (fast 100 Arbeiten), von denen die meisten in der modernen Kaván-Galerie ausgestellt werden. Nach einer kurz dauernden Symbolismus-Periode kehrte Kaván zu der realistischen Weltauffassung zurück, indem er dabei auch die impressionistische Farbgebung aufgab.

Franti¹ek Kaván, ein Riesengebirgsmaler sensu stricte, schließt die über einhundert Jahre anhaltende Periode der böhmischen Landschaftsmalerei ab, in der die bedeutendsten Maler Riesengebirgsmotive darstellten.

Die Art und Weise, wie die Natur und die Landschaft des Riesengebirges in der Malerei aufgefasst worden waren, spiegelte auch die Entwicklung der Landschaftsmalerei schlechthin wider: vom Klassizismus und der Vorromantik über die Blütezeit der Romantik bis zu ihrem Ausklang und Beginn der modernen, realistischen Landschaftsmalerei.

An der Grenze zwischen romantischem und realistischem Verständnis für Malerei steht ein Ausnahmewerk, der Elbfall, gemalt 1890 von Václav Jansa (1859-1913) im Auftrag der Grafen Harrach. Die große Leinwand (3,5 m x 4,5 m) besticht durch ihre Suggestivität und ihren Rundblick ins Elbtal und gehört, neben dem Kessel von Franti¹ek Kaván, zu den schönsten Darstellungen des Riesengebirges.

Bis zum heutigen Tag ist das Riesengebirge eine Anregungsquelle für viele tschechische Maler, Zeichner und Graphiker. Es hat jedoch im Laufe moderner künstlerischer Richtungen und Strömungen nicht mehr eine so große Bedeutung gehabt wie früher. Das Schaffen nachfolgender Künstler muss noch bearbeitet und beurteilt werden. So wollen wir an dieser Stelle nur die bekanntesten kurz erwähnen. Im Jahr 1908 ließ sich Bohuslav Dvoøák (1876-1951), ein Freund Kaváns, am Fuße des Riesengebirges nieder. Seitdem blieb er dieser Landschaft treu, die er in seinen realistischen Gemälden abbildete. Im selben Jahr hatte Franti¹ek Karel Hron (1874-1928), ein gebürtiger Prager, ein Haus im Dorf Benetzko gekauft. Während seiner langen Aufenthalte studierte er hier die Riesengebirgsmotive und fertigte Skizzen zu mehreren naturalistischen wie auch zu Gemälden mit "übersüßter" Farbgebung an. 1923 und 1924 stellte er in Prag und Podìbrady eine große Gemäldesammlung aus; 1926 war er an einer Sammelausstellung der Winterlandschaften in Königsgrätz beteiligt.

Die Landschaft um den Heidelberg wurde zur künstlerischen Anregung für die Zeitgenossen Kaváns: Franti¹ek Cín Jelínek (1882-1961) und Ota Bubenièek (1871-1962).

Im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts hatten im Riesengebirge gemalt: Otakar Nejedly (1883-1957) - Autor expressiver Gebirgsrundblicke, seit 1925 Professor an der Prager Akademie; Willy Nowak (1886-1977) - Mitglied der Avantgardegruppierung Osma; Vlastimil Rada (1895-1962) - ein emsiger Graphiker und Illustrator, in dessen Schaffen winterliche Bilder aus dem Leben der Riesengebirgsdörfer häufig zum Vorschein kommen.

Zwei andere Graphiker, die im Vorgebirge lebten, dürfen hier auch nicht übergangen werden: Karl Vik (1883-1964) und Jaroslav Skrbek (1888-1954). Vik hatte bereits in seinem ersten Zyklus der Holzschnitte Im Gebirge das Riesengebirge dargestellt. Skrbek hatte mehrere Radierungen von der Umgegend Vysoke nad Jizerou (Hochstadt a.d.I.), wo seine Eltern lebten, ausgeführt. Das westliche Riesengebirge wurde zu einem Lieblingsthema von Jaroslav Grus (1891-1983), dessen Schaffen eine charakteristische Linienführung und Farbgebung aufweist und der fast bis zum Ende seines Lebens immer wieder in dieses Gebirge kam.

Das böhmische Riesengebirge tauchte seit Anfang der Wiedergeburt der tschechischen Nation in der bildenden Kunst auf. Kunstgeschichtlich gesehen, war es ein internationales mitteleuropäisches Gebirge, in welches Künstler aus allen wichtigen Kunstakademien und Kunstschulen (insbesondere jedoch aus Dresden, Prag, Breslau, Berlin und Leipzig) auf der Suche nach Landschaftsmotiven kamen; die bislang wenig bekannte und ebenso wenig geschätzte böhmische Landschaftsmalerei hatte hier jedoch eine bedeutende Rolle gespielt.

Wenn auch auf der böhmischen wie schlesischen Seite des Riesengebirges deutschsprachige Bergbewohner lebten, so hatten die tschechischen Schriftsteller und Dichter dem Riesengebirge und seinem größten Berg, der Schneekoppe, die symbolische Rolle eines Wehrdamms gegen die großdeutsche Expansion Preußens und später Deutschlands zugeschrieben. Die Schneekoppe war nicht nur der größte Berg des Riesengebirges, sondern auch des gesamten Königreich Böhmen, um dessen Selbständigkeit im Rahmen der Österreichisch-Unganrischen Monarchie die politischen Vertreter der tschechischen Nation rangen. Bergwanderungen auf den Schneekoppengipfel waren für viele Tschechen nicht nur touristische Ausflüge, sondern - wie es den Eintragungen in Gästebüchern auf der Schneekoppe zu entnehmen ist - auch Unternehmungen, durch die sie ihren Patriotismus zeigten und die Angehörigkeit der Schneekoppe zum Königreich Böhmen und später zu dem tschechoslowakischen Staat verteidigten. Bis 1938, als das Riesengebirge und die ganzen Sudeten dem deutschen Reich angeschlossen wurden, war die Schneekoppe (und nicht nur sie) ein Ort, an dem der tschechische und deutsche Nationalismus einander begegnet waren.

Heute wird das Riesengebirge wieder das, was es noch gegen Ende des 18. Jahrhunderts war: ein Gebirge, das die Nationen nicht teilt, sondern verbindet. Nach den tragischen Folgen des Zweiten Weltkrieges treffen hier die Nationen der Polen und der Tschechen zusammen, und das Gebirge - wieder offen - wird erneut zu einem europäischen Gebirge.

Miloslav Barto¹

Miloslav Barto¹ - seit 1962 ist er im Riesengebirgsmuseum in Vrchlabí beschäftigt (in d.J.1995-2000 Leiter). Sein Interesse gilt dem Riesengebirge. Veröffentlichungen u.a. in der Zeitschrift " Krkono¹e".
 

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